ZTB-OPEN-SPACE – Videoforum / zweite Ausgabe
20 Jahre Tanz im August
Konzept: Elisabeth Nehring, Norbert Kliesch
Zwanzig Jahre ‚Tanz im August’ – das sind nicht nur zwanzig Jahre
internationale Tanzproduktionen, sondern auch zwanzig Jahre
individuelle Erinnerungen. Denen wollen wir mit der zweiten Auflage
des ztb-open-space nachgehen. Das Videoforum am 23. und 24. August
bietet einen Rückblick auf das Festival-Programm von 1989 bis heute
und braucht dazu Eure Beteiligung. Was hat der zeitgenössische Tanz
im Rahmen des Festivals ‚Tanz im August’ hinterlassen? Nennt uns
die Stücke, die Euch – auf welche Art und Weise – bewegt haben, die
Ihr noch einmal sehen und zeigen wollt.
Die Idee eines Videoforums wird von verschiedenen Fragen geleitet:
Wie viele Gedächtnisse einer Kunstform gibt es? Wer schreibt,
ordnet, diktiert die Geschichte einer Kunstform, insbesondere einer
so flüchtigen, nicht-wiederholbaren wie der des zeitgenössischen
Tanzes? Ist es möglich, statt einer individuell entworfenen und
gesteuerten sowie durch Wiederholungen zum kollektiven Gedächtnis
transformierten Geschichtsschreibung eine Art ‚partizipatives
Gedächtnis’ zu erstellen, das sich adäquat zur Heterogenität der
Erinnerung verhält? Und wenn ja, wie? Die Fragen stellen sich im
vollen Bewusstsein darüber, dass die unhierarchische, unbewertete
Sammlung vieler einzelner Sichtweisen niemals das ‚Ganze’, die
ganze Vergangenheit abbilden kann – um Objektivität oder Erstellung
eines kompletten Bildes kann und soll es nicht gehen. Stattdessen
wollen wir einen Prozess der Beteiligung voran bringen, der
ebenfalls fragmentarisch bleibt, die subjektive Sichtweise betont
und jedem einzelnen Betrachter das Recht einräumt, seine Geschichte
und Wahrnehmung im Rahmen eines spezifischen Kontextes zur Geltung
zu bringen.
Daher wird auch bei der zweiten Ausgabe des
ztb-open-space-Videoforums das klassisch kuratorische
Auswahlverfahren durch einen allgemeinen Beteiligungsprozess
ersetzt und, in Anlehnung an Partizipationsmodelle der Soziologie
versucht, ein ‚partizipatives Gedächtnis’ zu erstellen, d.h.:
Teilnahme vieler an der Erinnerung ermöglichen; Hierarchien der
Wahrnehmung und Erinnerung umgehen; ‚Überbleibsel’, ‚Reste’ einer
flüchtigen Kunstform unpädagogisch präsentieren; Freiheit zum
denken lassen; individuelle Reflexion sowie Kommunikation
anregen.
Aktive Teilnahme steht sowohl bei der Auswahl der Stücke als auch
während der Veranstaltung im Zentrum. Am 23. und 24. August laden
wir ein: ‚Kommen, schauen, kommentieren!’ Schriftliche
Meinungsäußerungen sind ausdrücklich erwünscht.




